Grundschule Annaburg - Da macht Schule wieder Spaß!

HECK Wall Systems gibt Grundschule Annaburg durch originalgetreue Fassadensanierung ihren angemessenen Platz im Schlossensemble zurück

Die Lutherstadt Wittenberg ist fast jedem ein Begriff als die Stadt, in der Martin Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche genagelt hat. 35 Kilometer südöstlich liegt zwischen Elbe und Schwarzer Elster das Städtchen Annaburg. Mit nur etwas mehr als 7000 Einwohnern präsentiert Annaburg unvermutet ein Schlossensemble, das in Erstaunen versetzt. Die Anlage gilt als eines der Hauptwerke der sächsischen Schlossbaukunst der Renaissance. Eines dieser historischen Bauwerke beherbergt die Grundschule Annaburg. Nach neuer Dacheindeckung, neuen Fenstern und umfangreichen Spenglerarbeiten wurde nun auch die reich verzierte, aber stark beschädigte Putzfassade des villenartigen Massivbaus detail- und originalgetreu wieder hergestellt. Nun braucht sich die Grundschule Annaburg nicht mehr zu verstecken, sondern zeigt sich stolz inmitten prächtiger Schlossbauten.

Erste sächsische Hofapotheke
Mit der Errichtung des Jagdschlosses Lochau durch die Askanier beginnt die 800jährige Geschichte der Stadt Annaburg und ihres Schlosses. Im Jahre 1442 durch Brand zerstört, erbaute Kurfürst Friedrich der Weise 1550 auf den Ruinen des Jagdschlosses ein erstes prachtvolles Refugium nördlich der Alpen mit mehreren aufwändig gestalteten Lusthäusern und angrenzenden Gärten. Gut zwanzig Jahre später, zwischen 1572 und 1575, errichteten Kurfürst August I. von Sachsen und seine Gemahlin, Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen, an dieser Stelle einen Neubau. Ab jetzt teilt sich die Schlossanlage in zwei stilistisch vollkommen eigenständige Bauwerke, das Vorderschloss und das Hinterschloss sowie in weitere, ihrer Nutzung entsprechende Nebengebäude. Friedrich der Weise fröhnte seiner Jagdleidenschaft in der wildreichen Lochauer Heide. Für seine Frau Anna, die im Jahre 1573 Namensgeberin für das Schloss und die Stadt wurde, diente das Schloss als Aufenthaltsort, an dem sie alchimistisch und hauswirtschaftlich tätig war. Schloss Annaburg beherbergte die erste sächsische Hofapotheke.

Das ehemalige Militär-Knaben-Erziehungs-Institut
Im 17. Jahrhundert begann das Gebäudeensemble zu verfallen. Insbesondere die wertvolle Innenausstattung fiel bis auf wenige Zeugnisse dem 30jährigen Krieg zum Opfer. Von 1762 bis 1921  wurden die Gebäude als Militärschule genutzt. Hinzu kamen ein Speisesaal, ein Betsaal und das Stabsgebäude des damaligen Militär-Knaben-Erziehungs-Instituts, die heutige Grundschule Annaburg. Militärisch genutzt wurde das 1876 erbaute Gebäude bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach Kriegsende waren hier Verwaltung, Arbeitsamt und Sozialversicherung untergebracht. Für schulische Zwecke und als Schulhort findet das Gebäude seit 1965 Verwendung, seit 1990 als zweizügige Grundschule.

Italienischer Einfluss

Das denkmalgeschützte, unterkellerte Gebäude aus Vollziegelmauerwerk, die heutige Grundschule Annaburg, gliedert sich in Unter- und Obergeschoss und ein nicht ausgebautes Dachgeschoss. An den Giebelseiten befindet sich jeweils ein Treppenhaus, wobei jenes auf der Nordseite aus brandschutztechnischen Gründen im Jahre 2011 durch ein größeres ersetzt wurde. Der neue Treppenaufgang  wurde im Außenbereich wieder an die historische Putzfassade angepasst. In Anlehnung an italienische Baukunst zeigt die reich verzierte und gegliederte Fassade aus Putz geformte Pilaster, Gesimse und Bossierungen, Bekrönungen über den Fenstern und im Leibungsbereich sowie säulenartige Elemente. Das Traufgesims besteht aus zusammengesetzten, profilierten Holzbrettern. Auch zieren zahlreiche Terrakotta-Elemente die Fassade – in verschiedenen Größen als Konsolen der Dachtraufe, als Kapitelle der Pilaster im Obergeschoss, als Wappen über der Balkontür, als Säule auf der Südseite, als Balkonbalustrade sowie als seitliche Schmuckpilaster am Vorbau.

Größere Schäden als erwartet
Ziel der Sanierungsarbeiten war es, die kunstvoll und reich verzierte Fassade der Grundschule möglichst detail- und originalgetreu wieder herzustellen. Auch wenn vor Beginn der Arbeiten großflächige Putzabplatzungen und lose Putzflächen, verursacht  sowohl durch aufsteigende als auch eindringende Feuchtigkeit, nicht zu übersehen waren, so sollten, wenn möglich, die noch intakten Altputzbestände erhalten bleiben. Besonders aber die zu DDR-Zeiten auf die weicheren Altputzbestände aufgebrachten Kalk-Zement-Putze zeigten zwischen den Fenstern und an den Bossierungen Rissbildungen, in die über Jahre hinweg Feuchtigkeit eingetreten war. Zur weiteren Verschlechterung des Fassadenzustandes trugen bis zu 14 Farbanstriche auf Dispersionsbasis bei. Deutliche Spuren hinterließen auch die einst defekten Fallrohre und Dachrinnen. Ungeschützt der Witterung ausgesetzt, konnte das Sockelgesims ebenfalls nicht gerettet werden.

Im oberen Fassadenbereich präsentierten sich jedoch die Bekrönungen über den Fenstern, das Zierband unter den Fenstern sowie Gesimse und Pilaster in vergleichsweise gutem, zum Teil unversehrtem  Zustand, da diese durch Verblechungen oder ausreichend vorstehende Fensterbänke geschützt waren. „Nach restauratorischen Befunduntersuchungen, zahlreichen Probenentnahmen und letzter Bestandsaufnahme nach der kompletten Einrüstung des Gebäudes musste festgestellt werden: Der gesamte Altputz muss entfernt werden und nur die nicht geschädigten Zierelemente, wie Bekrönungen über den Fenstern, teilweise Gesimse und die Gipsreliefs unter den Fenstern, können an der Fassade verbleiben“, erklärt Dipl.-Ing. Veronika Leder vom Ingenieurbüro für Bauplanung und Bauüberwachung Schmidt und Partner aus Jessen.

Ganz oder gar nicht

„Ganz oder gar nicht“ lautete nun das Motto der umfangreichen Sanierungsarbeiten an der Fassade. Nach der Entfernung des Altputzes und des mürben Fugenmörtels sowie der sorgfältigen Reinigung der Vollziegelfassade im Druckluftverfahren verfolgte das Sanierungskonzept beim Putzneuaufbau unterschiedliche Wege.

Da die Putzflächen im Sockelbereich bis zu 90 Prozent durch aufsteigende Feuchtigkeit, Salzausblühungen und Schimmelpilzbefall zerstört waren, entschied man sich in diesem stark geschädigten Bereich für das Rajasil Sanierputzsystem SP3 mit dem Aufbau Spritzbewurf und einlagiger Sanierputzschicht in 25 mm Dicke. Auch in den Fallrohrbereichen sorgt das Rajasil Sanierputzsystem SP3 fortan mit seinen salzspeichernden Eigenschaften  für eine langandauernde ausblühungsfreie Fassadenfläche. Aufgrund der schweren Schädigung im Sockelbereich ging den Putzarbeiten eine horizontale Bauwerksabdichtung im Injektionsverfahren knapp über der Geländeoberkante voraus.

An der übrigen, glatten Fassadenfläche kam ein Rajasil Kalkputzsystem zum Einsatz. Dem netzförmig aufgebrachten Spritzbewurf folgte Kalkputz mittel und als letzte Beschichtung Kalkputz fein, hergestellt als Sonderrezeptur nach Befund. „Natürlich durften die Übergänge zwischen Kalkputz- und Sanierputzsystem nicht sichtbar sein. So wurden die Putzsysteme nass in nass aneinander gearbeitet und die Körnung entsprechend eingestellt“, erklärt Frank Eulenstein, Rajasil-Bauberater bei HECK Wall Systems.

Hochwertige Stukkateurarbeit
Parallel zu den Putzarbeiten verlangten auch die wunderschönen und zahlreichen Zierelemente an der Fassade nach hochwertiger Stukkateurarbeit, die – genau wie die vorangegangenen Putzarbeiten – ebenfalls der Baubetrieb Voigtländer GmbH aus Oschatz ausführte. „Rajasil Gesimsziehmörtel erwies sich als das geeignete Material zur Wiederherstellung und Ergänzung des aufwendigen Fassadenschmucks“, so Frank Eulenstein. Mit großem handwerklichem Geschick wurden die Gesimse direkt  am Gebäude neu gezogen und wieder angearbeitet. Ebenso konnten die Spiegelflächen unter den Fenstern im Erdgeschoss und die Fensterbekrönungen über den Fenstern im ersten Obergeschoss ergänzt und wieder hergestellt werden. Diese Vorgehensweise gilt für alle Fassadenverzierungen, die Fehlstellen aufwiesen. Eine besondere Herausforderung stellte laut Veronika Leder auch die Erneuerung der Bossierungen dar: „Die Nuten der stark ausgebildeten Bossenstruktur, die zusätzliche Akzente in den Eckbereichen des Bauwerkes setzt, und die der flacheren Bossen an der übrigen Fassadenfläche des Erdgeschosses mussten im Verbund ausgebildet und wieder hergestellt werden.“ Besonderer Aufmerksamkeit bedurften auch die Faschen und Leibungen, die mit großer Sorgfalt wieder an die Fenster angearbeitet wurden.

Gewollter Kontrast
„Der einfarbige Anstrich mit Rajasil Silikat Fassadenfarbe geschah nach historischem Befund und stand immer, ganz gewollt, im Kontrast zu den übrigen Bauwerken des Schlossensembles Annaburg“ erläutert Frank Eulenstein. Auch die gereinigten Terrakotta-Elemente sowie das reparierte Traufgesims aus zusammengesetzten, profilierten Holzbretten, wurden im Farbton der Fassadenfarbe gestrichen. Um die Schönheit und Unversehrtheit des Gebäudes möglichst lange zu erhalten, schützen heute neue Abdeckungen aus Zinkblech die umlaufenden Gesimse, die Bekrönungen über den Fenstern sowie sämtliche Fensterbänke. Veronika Leder von Schmidt und Partner bringt die erfolgreiche Restaurierung schließlich auf den Punkt: „Bei einem derart sanierten Gebäude kann man eigentlich nur gern zur Schule gehen!“


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