Wer mischt, der haftet!

Systemgebundenheit bedeutet, dass alle Komponenten, die innerhalb eines vollständigen WDV-Systems verbaut werden, in jeder Hinsicht den in der jeweiligen allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) ausdrücklich angeführten Komponenten entsprechen müssen und auch nicht durch systemfremde und/oder etwa artgleiche Komponenten ersetzt werden dürfen.

Deswegen ist in allen abZ ausdrücklich bzw. sinngemäß vermerkt: „Alle für das WDVS eines Bauvorhabens erforderlichen Komponenten sind vom Antragsteller dieser allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung zu liefern bzw. liefern zu lassen.“

Ist dies nicht der Fall bzw. werden einzelne Systemkomponenten durch andere ersetzt, verliert die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des WDV-Systems ihre ansonsten für das konkrete Bauvorhaben gegebene Gültigkeit mit allen daraus folgenden Konsequenzen. Das Gebäude kann von der Bauaufsicht so nicht mehr abgenommen werden. Der Fachunternehmer ist dann auch nicht befugt, das „Übereinstimmungszertifikat für die Bauart (WDVS)“ zu erstellen, weil er dieses nicht wahrheitsgemäß ausfüllen kann. Denn dort muss er wahrheitsgemäß alle Komponenten anführen, die er verwendet hat und die keinesfalls von den in der abZ angegeben abweichen dürfen.

Übergang der Gewährleistung droht

Wird bei der Erstellung des Systems gegen geltendes Baurecht verstoßen und es werden Komponenten bzw. Produkte gemischt, geht die Gewährleistung des Systemanbieters in vollem Umfang auf den Fachunternehmer über. Im Schadenfall haftet dann der Fachunternehmer mit einer Verjährungsfrist von bis zu 30 Jahren.

Der Hintergrund hierfür ist einfach: Alle zur Erlangung einer abZ erforderlichen Prüfungen werden im System durchgeführt. Nur so kann die im Zusammenwirken der Komponenten geforderte Funktionalität (z.B. Brandschutz, Standsicherheit, Wärmeschutz usw.) sichergestellt werden. Auch die durch die abZ geforderten Qualitätsüberwachungen durch den Systemanbieter und die Fremdüberwachungen als wichtiges Element der WDVS-Qualitätskontrolle würden bei einem Systemmix ausgehebelt.

Baurecht verpflichtet

Die Anwendung des WDV-Systems ohne eine abZ ist aus baurechtlicher Sicht in Deutschland nicht möglich. Dieses Dokument führt z. B. in Absatz II.1 jeweils die einzelnen Systembestandteile auf. Mit der unter II. 1 genannten Forderung, dass alle für die Herstellung eines WDV-Systems erforderlichen Komponenten vom Antragsteller und damit Inhaber der abZ - also dem Systemanbieter - zu liefern bzw. liefern zu lassen sind, wird die ordnungsgemäße Einhaltung abZ sichergestellt.

Wer mischt, der haftet

Der Systemanbieter steht im Rahmen des vertraglich Geschuldeten für die Funktionsfähigkeit seines WDVS ein, wenn alle angeführten Systemkomponenten zulassungskonform geliefert und unter Beachtung der Vorschriften und Vorgaben verarbeitet werden. Wenn aber bei der Verarbeitung gegen bestehendes Baurecht verstoßen wird und z. B. Produkte unterschiedlicher Hersteller verbaut werden, trägt der Verarbeiter das alleinige Risiko nicht nur für evtl. einzelne Mängel, sondern insbesondere auch dafür, dass die WDVS-Fassade weder von der Bauaufsicht noch vom Bauherrn abgenommen werden kann; es droht dann nicht nur die Erneuerung der WDVS-Fassade, sondern auch unabsehbare Folgekosten.

Billig kann teuer werden

Ein kurzfristiger, vermeintlicher Einkaufsvorteil bei freiem Bezug und Einsatz der Komponenten würde sich somit schnell ins Gegenteil verkehren, denn er bringt zwangsläufig den Verlust der Geltung der abZ für das Bauvorhaben mit sich. Die Leistung ist mangelhaft, denn der Auftragnehmer hat objektiv eine vom Auftragsinhalt abweichende Herstellung vorgenommen. Dies führt seitens der Auftraggeber häufig zum Einbehalten der Forderungen bzw. zu Zahlungsverzögerungen. In der Praxis kommt es immer häufiger vor, dass ein beauftragter Gutachter durch die Bauherren die einzelnen Gewerke abnimmt. Um die Systemtreue zu überprüfen, wird verstärkt die Einsicht in Lieferscheine gefordert.

Auf Nummer sicher durch die Übereinstimmungserklärung

Mit der Unterzeichnung der Übereinstimmung auf der letzten Seite der bauaufsichtlichen Zulassung bestätigt der ausführende Fachunternehmer gegenüber dem Auftraggeber im Ergebnis die Übereinstimmung des errichteten Gewerkes mit der entsprechenden Zulassung. Kombiniert mit beispielsweise Kopien der Bau-stellenlieferscheine dokumentiert der Verarbeiter gegenüber seinen Bauherren, aber auch gegenüber Dritten, im Streitfall die lückenlose Systemtreue. Leider wird die Übereinstimmungserklärung in der Praxis von vielen Auftragnehmern nicht ernst genug genommen. Dies führt in den meisten Fällen zu strittigen Auseinandersetzungen und zu einer Benachteiligung des Fachhandwerks.

Die HECK Fachberater unterstützen Verarbeiter bei allen Fragen zur Systemtreue gern!

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