
Pilotprojekt auf Zeche Zollverein: BASF Wall Systems stellt hochwertige Anstrichsysteme zur Verfügung
Nutella, Lätta, Nivea…die Schriftzüge waren noch gut zu erkennen. Nur hätte man die Kartonagen dieser Produkte, die jeder von seinen Streifzügen durch die Supermärkte kennt, ganz sicher nicht hier vermutet. Ein Gebäude aus zu Ballen gepresstem, recycelbarem Altpapier, hatte seit 9. September 2010 seine Pforten am Rande des Industriedenkmals Zeche Zollverein in der diesjährigen Kulturhauptstadt Essen geöffnet. Inspiriert von den altägyptischen Mastaba Pyramiden war ein temporär genutztes Haus-Unikat mit einmaligen Wandoberflächen entstanden, das sich ursprünglich bis Ende 2011 bewähren sollte. Jedem seien seine Vorurteile verziehen, wenn von einem Bauwerk aus Altpapier die Rede ist. Stabilität, Brandschutz, Feuchtigkeit - dass das Objekt nicht 100-prozentig ausgereift sein konnte, stand außer Frage. Dass es jedoch nicht nur möglich ist, sondern auch ungeahnte Erkenntnisse hinsichtlich zukunftsträchtiger Alternativen in der Baubranche lieferte, fasziniert. Deshalb erfuhr das Projekt trotz der Tatsache, dass die Papierhauskonstruktion Anfang April einem Brand zum Opfer fiel, höchste Anerkennung von allen Seiten.
Die BASF Wall Systems zählte zu den Kooperationspartnern dieses außergewöhnlichen Pilotprojektes und stellte hochwirksame Materialien zur Dachbeschichtung und für die sanitären Einrichtungen des Papierhauses zur Verfügung.
Die Idee und ihre Umsetzung: Der „Paradiesvogel“ lernt fliegen
„Die Idee, Häuser aus Altpapier zu bauen, folgte eigentlich einem Zufall“, erklären die Architekten Uli und Ben Dratz aus Oberhausen: „Wir sind an einem Recyclinghof vorbeigefahren und waren beeindruckt von der Ästhetik der Papierballen – dieses Patchwork an verschiedenen Farben hat uns unglaublich angesprochen. Zudem erkannten wir, dass die Papierballen bis zu sechs Meter hoch gestapelt waren und das Material eine beeindruckende Festigkeit aufwies“.
Schon im Jahr 2007 überzeugte das ASU Planungsbüro Dratz mit dem Modell einer Stufenpyramide aus Altpapierballen die Jury des Architekturwettbewerbs „mobile working spaces“. Zwei Jahre später erfolgte die Realisierung des pyramidenähnlichen Gebäudes aus 550, jeweils 1,40 Meter langen, 1,10 Meter breiten und 80 Zentimeter hohen, gepressten und aufeinander gestapelten Papierballen. Nur mit Papierballen dieser Größenordnung war es möglich, die geplante, freitragende Raumkonstruktion zu erzielen. Das Flachdach trug eine Holzbalkenkonstruktion. Die anschließenden Treppenstufen stützten wiederum die aufgestapelten Papierballen. Der 185 Quadratmeter große Innenraum bot Platz für Pressekonferenzen, Produktpräsentationen oder Ausstellungen. Fest installiert waren lediglich eine Bar sowie die sanitären Einrichtungen. Die Gesamtlänge des Gebäudes betrug 16 Meter bei einer Höhe von 10 Meter.
Der Standort für dieses exotische Bauwerk wurde von den Architekten perfekt gewählt, denn als UNESCOWeltkulturerbe hat sich Zeche Zollverein in den letzten 15 Jahren, nach 135 Jahren Steinkohleförderung, zu einem internationalen Zentrum für Kultur und Kreativwirtschaft mit Schwerpunkt Design und Architektur entwickelt. „Es war ein Testlauf“, so die Architekten Dratz, „bei dem wichtige Erfahrungen für unsere weitere Arbeit mit Altpapier als Baustoff gesammelt werden sollen, um für zukünftige Projekte gerüstet zu sein.
Nüchtern betrachtet
Bei aller Außergewöhnlichkeit und Farbigkeit, auch oder gerade ein Haus aus recyclebarem Altpapier muss, nüchtern betrachtet, technischen Anforderungen und Normen Stand halten. Wie viel Druck erträgt Altpapier? Wie ist die Reaktion auf Feuchtigkeit? Die Antworten lieferten unerwartete, beeindruckende Ergebnisse: Es stellte sich heraus, dass sich die zusammengepressten Papierballen erst bei 70 Tonnen Druck um 20 Prozent verformen und die Deformation bei nachlassendem Druck auf 18 Prozent zurückgeht. Das halten noch nicht einmal Steine aus! Vor dem Hintergrund dieser Werte könnte theoretisch ein 30 Meter hohes Gebäude aus Altpapier errichtet werden. Die Pyramide auf Zeche Zollverein mit einer Belastung von zehn Tonnen auf der unteren Ballenreihe verformt sich demnach um nur 2,5 Zentimeter.
Die größte Herausforderung bei einem Papierhaus ist natürlich der Schutz gegen Feuchtigkeit. Die Dachabdeckung, eine Fläche mit anschließender Treppe aus Faserzementplatten, erhielt eine Grundierung und einen Deckanstrich mit Rajasil SHF (Siliconharzfarbe) aus dem Hause BASF Wall Systems. Die Rajasil SHF (Siliconharzfarbe) überzeugte durch optimale Wasserabweisung mit Abperleffekt, sehr hoher Frühregenfestigkeit und Wasserdampfdurchlässigkeit, bei hervorragendem Schutz gegen Algen und Pilze. Rajasil SHF (Siliconharzfarbe) verfügt darüber hinaus über ein ausgezeichnetes Deckvermögen und bildet eine mineralisch anmutende matte Oberfläche. Über das Farb- und Putzmischsystem CoRaMix steht ein einzigartiges Farbspektrum für Rajasil SHF (Siliconharzfarbe) zur Verfügung. Für die Dachabdeckung des Papierhauses auf Zeche Zollverein wählte man einen beige-/goldfarbigen Deckanstrich.
In den sanitären Einrichtungen ging es hingegen farbiger zu. Auf den Wandflächen aus OSB-Platten kam HECK FF UNI, eine wasserabweisende und diffusionsoffene Farbe für den Innen- und Außenbereich auf Dispersionsbasis zum Einsatz. Hellgrün für die Herren, pink für die Damen - mit einer Grundierung und einem Deckanstrich ist eine hochwertige Beschichtung bei ansprechender Farbgebung entstanden. Die Arbeiten führte der Malerbetrieb Heinrich Schmid, Niederlassung Essen, aus. Ohne die einmalige Wandoberfläche aus Altpapier zu beinträchtigen, diese aber trotzdem vor Feuchtigkeit zu schützen, entschieden sich die Architekten in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer Gesellschaft in Oberhausen für eine Doppelbeschichtung aus Parafin-Wachs. Auch die Schallschutz- und Dämmwerte waren ausgezeichnet. Damit erfüllte das Papierhaus auf Zeche Zollverein bereits fast alle Kriterien, die heute an modernes Bauen gestellt werden. Mehr noch: Mit recycelbarem Altpapier als Baumaterial wird nur so lange in die Wertschöpfungskette eingegriffen, bis es zu fast 100 Prozent wieder in den Kreislauf zurückgeführt wird.
Lediglich die Frage des Brandschutzes konnte nicht abschließend beantwortet werden. Die Projektbeteiligten sehen darin eine zukünftige Herausforderung, auch wenn laut Polizeiangaben ein technischer Defekt als Brandursache ausgeschlossen werden könne.
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